„Wir sind ein Land, eine Einheit“

Fr, 29.01.2010
 
Spannung im Kinosaal des Deutschen Historischen Museums in Berlin: Festlich gekleidete Jugendliche, Fanfaren erklingen – sie gelten den Preisträgern des Jugendwettbewerbs „Herzlichen Glückwunsch Deutschland“.
Gefeiert haben wir im vergangenen Jahr viel. Im Mai feierten wir 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland und im November 20 Jahre friedliche Revolution. Deutschland zeigte sich von seiner besten Seite. Aber wie sehen Jugendliche ihr Heimatland?
 
Um das zu erfahren, waren alle Kinder und Jugendlichen aufgerufen ihr Bild von Deutschland zu beschreiben. 10.000 Jugendliche hatten sich beteiligt.
Nun war es soweit. Die besten zehn Beiträge wurden ausgezeichnet. Ihr Preis: 1.000 Euro und eine Urkunde des Bundesinnenminister Thomas de Maizière.
 

"Die Mauer auf dem Schulhof"

 
Besonders gut gefiel dem Minister das Projekt der Goetheschule in Barsinghausen (Niedersachsen). Alle 1.200 Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen haben sich an dem Unterrichtsprojekt "Die Mauer auf dem Schulhof" beteiligt.
 
Logo des Jugendwettbewerbs mit dem Schriftzug "Herzlichen Glückwunsch Deutschland"Foto: Zeitbild Verlag Vergrößerung Logo des WettbewerbsSie haben das geteilte Deutschland von 1989 nachgespielt. Da gab es Ost- und Westklassen. Es gab Grenzposten, die eine 44 Meter lange und 2,10 hohe Mauer auf dem Schulhof bewachten. Und es gab die Staatssicherheit, die alles heimlich überwachte.
 
Doch trotz dieser Staatssicherheit gab es auch Montagsdemos der "Ostschüler" gegen die Mauer. Genauso wie es 1989 tausende Menschen in der DDR getan hatten.
 
Am 9. November 2009 durchbrach dann ein Trabi die Mauer auf dem Schulhof – als Zeichen für den Mauerfall. Er leitete die Wiedervereinigung der Ost- und Westschüler ein. "Und wie beim Mauerfall 1989 waren auch wir froh wieder vereint zu sein", sagte eine Schülerin der Goetheschule.
 
Das Projekt habe für die Schüler viel gebracht, "denn es war kein trockner Geschichtsunterricht", informierte die Schülerin weiter. "Ganz toll", lobte der Bundesinnenminister. "Für ein solches Projekt muss man wahrscheinlich sehr viel machen und das verdient einen besonderen Dank, auch an die Lehrer."
 

"Wir reißen Mauern ab"

 
Die Schüler-Rap-Gruppe aus Schwandorf auf der Bühne.Foto: BMI/Hans-Joachim M. Rickel Vergrößerung "Wir reißen Mauern ab" - Ein Rap für den WettbewerbHätten sich die Schüler aus Barsinghausen und drei Schüler aus dem bayerischen Schwandorf da schon gekannt, hätten sie vielleicht zu ihrem Mauerfall gemeinsam das Lied der Schwandorfer Schüler gesungen.
 
Die hatten sich den Rap "Wir reißen Mauern ab" ausgedacht. Der Song beschreibt, was der Mauerfall damals vor zwanzig Jahren und heute bedeutet. Aber er zeigt auch Probleme, die das vereinigte Deutschland durch die jahrelange Teilung heute noch hat.
 
Schülerinnen und ein Schüler aus Schwandorf bei der Preisverleihung mit Thomas de Maizière.Foto: BMI/Hans-Joachim M. Rickel Vergrößerung Die Rap-Gruppe aus Schwandorf darf nun ins Musikstudio.Und so rappen die Schüler: "Gebt euch die Hand, verdammt, wir sind doch ein Land." Alle seien aufgerufen, die Mauern in den Köpfen einzureißen, denn "wir sind ein Land, eine Einheit voller wunderbarer Menschen". Stürmischer Beifall ertönte im Kinosaal.
 
Die Jugendlichen hatten scheinbar den richtigen Ton getroffen. So sah es auch die Jury und zeichnete den Song zusätzlich mit einem Sonderpreis aus: Die Schwandorfer können ihrem Song nun in einem professionellen Musikstudio aufnehmen.
 

Acht Kanzler im Bild

 
Gänzlich ohne Worte kam der Beitrag von fünf Schülerinnen aus Nordrhein-Westfalen aus. Sie hatten ein riesiges Plakat mit dem Brandenburger Tor geschaffen, darunter die Porträts der acht Kanzler.
 
Von Konrad Adenauer bis Angela Merkel haben die Mädchen die Kanzler im Kunststil der jeweiligen Zeit abgebildet. Während bei Adenauer noch die Strenge der Nachkriegszeit zu spüren ist, ist Bundeskanzlerin Merkel modern dargestellt. Bundesinnenminister de Maizière hatte sichtlich Spaß bei seiner Bildbeschreibung der acht Kanzler.
 
Egal ob Sieger oder nicht - Insgesamt haben alle Kinder- und Jugendlichen gewonnen, die sich am Wettbewerb beteiligten. Sie haben sich Gedanken über ihr Heimatland gemacht, Neues hinzugelernt und sicherlich auch einige Mauern in ihren Köpfen abgerissen.